Klimawandel und Biodiversitätsverlust gehören zu den größten Herausforderungen unserer Zeit – und lassen sich nur gemeinsam bewältigen. Daher haben der WWF und Lidl 2024 eine Partnerschaft geschlossen. Was treibt diese Zusammenarbeit an? Und welchen Unterschied kann sie für Natur, Lieferketten und Konsumenten machen? Antworten geben Susanne Keil, Senior Consultant Qualität & Nachhaltigkeit bei Lidl International, und Christian Som, Senior Manager Sustainable Markets bei WWF Schweiz.
Susanne Keil: Für uns ist klar, dass wir die Herausforderungen, die uns alle betreffen wie Klimawandel, Artenverlust und Wasserknappheit nur in starken Allianzen angehen können. Die Basis ist unsere Lidl Nachhaltigkeitsstrategie, die wir seit mehreren Jahren verfolgen und die wir kontinuierlich weiterentwickeln. Mit einer der weltweit größten Umweltorganisationen zusammenzuarbeiten, gibt uns die Chance, die Risiken unserer Zeit konzentriert anzugehen.
Christian Som: Als Umweltorganisation setzen wir uns für den Erhalt der Natur und ihrer Lebensgrundlagen ein. Dazu gehören auch Fragen zur Versorgungs- und Lebensmittelsicherheit – insbesondere, weil die Lebensmittelproduktion erhebliche Auswirkungen auf Biodiversität und Wasserverbrauch hat. Für uns war es daher entscheidend, mit einem starken Partner zusammenzuarbeiten, der willens ist, diese Probleme anzugehen, und der die Fähigkeiten hat, sie zu lösen.
„Klimawandel, Artenverlust, Wasserknappheit lassen sich nur in starken Allianzen angehen. Mit einer der weltweit größten Umweltorganisationen zusammenzuarbeiten, gibt uns die Möglichkeit, diese zentralen Risiken konzentriert anzugehen.“
Christian Som: Wir tauschen uns regelmäßig zu strategischen Fragen aus. Dabei halten wir uns auch den Spiegel vor – wenn wir der Meinung sind, dass etwas anders laufen sollte, oder wenn wir neue Lösungen sehen. Zudem arbeiten wir konkret auf der inhaltlichen Ebene zusammen, das heißt unsere Fachleute tauschen sich regelmäßig untereinander aus. Wir stellen Werkzeuge zur Verfügung, mit denen Lidl die Lieferkette analysieren und Hochrisiko-Regionen identifizieren kann. Und wir suchen nach gemeinsamen Lösungen, wie Probleme vor Ort angegangen werden können.
Susanne Keil: Unsere Ansätze werden aus einer anderen Perspektive immer wieder kritisch hinterfragt. Zudem verfügt der WWF über ein großes Netzwerk mit Experten in den Produktionsländern – hier besteht ein enger Austausch. Und wir können die WWF-Tools nutzen, zum Beispiel den WWF Risk Filter, wenn wir unsere Biodiversitätsstrategie weiterentwickeln. Das Tool hilft uns, konkrete Risikofelder zu identifizieren und gezielte Maßnahmen zu definieren.
Susanne Keil: Unsere Partnerschaft ist breit aufgestellt. Wir arbeiten sowohl an strategischen Zielen als auch an konkreten Rohstoffzielen, insbesondere beim Rohstoffbezug. Unsere Nachhaltigkeitsstrategie wollen wir gemeinsam mit dem WWF weiterentwickeln und sie kontinuierlich hinterfragen. Ein Beispiel ist unsere Strategie Bewusste Ernährung. Hier nutzen wir eine WWF-Methodik, um transparent darzustellen, wie wir uns Richtung Planetary Health Diet bewegen.
Christian Som: Der größte Treiber des Biodiversitätsverlusts ist die landwirtschaftliche Produktion. Entwaldung, hoher Wasserverbrauch, Bodenverdichtung und der Einsatz von Pestiziden bedrohen die Biodiversität. Deshalb ist es für uns so wichtig, mit einem starken Partner zusammenzuarbeiten, der Einfluss darauf hat, wie Produktion vor Ort stattfindet – und der mit uns auf einen geringeren ökologischen Fußabdruck hinwirken kann. Gleichzeitig müssen wir beim Konsum ansetzen. Das heißt: weg von der tierischen Produktion. Denn besonders ressourcenintensiv ist die Produktion von Fleisch- und Milchprodukten. Darum sind wir froh, dass sich Lidl so stark an der Planetary Health Diet ausrichtet.
„Lidl mit seiner großen Kundenbasis hat enormes Potenzial, Botschaften weit zu streuen. Wenn es uns gelingt, mit gemeinsamen Botschaften das Bewusstsein der Konsumenten zu schärfen, haben wir einen gewaltigen Hebel.“
Christian Som: Wenn einer der größten Lebensmitteleinzelhändler und eine der größten Umweltorganisationen zusammenarbeiten, kommen unterschiedliche Perspektiven, Erfahrungen und Kompetenzen zusammen. Die besondere Chance dieser Partnerschaft liegt darin, gemeinsam an Themen entlang globaler Lieferketten zu arbeiten, die ein einzelner Akteur nur begrenzt beeinflussen kann.
Susanne Keil: Für mich ist diese Partnerschaft ein absolutes Herzensprojekt, weil sie für die wirksamste Nachhaltigkeitszusammenarbeit steht, die ich mir vorstellen kann. Gemeinsam bewirken wir Veränderungen und nehmen Menschen mit.